Was ist Nachhaltigkeit?

"Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, die die Lebensqualität der gegenwärtigen Generation sichert und gleichzeitig zukünftigen Generationen die Wahlmöglichkeit zur Gestaltung ihres Lebens erhält." (Bericht der Brundtland-Kommission, 1987)

Definition der Nachhaltigkeit

Man darf nur so viel Holz schlagen, wie nachwachsen kann. Diese Weisheit der Forstwirtschaft aus dem 18. Jahrhundert besagt, dass man der Natur Zeit geben muss, sich vom menschlichen Zugriff zu erholen, und stellt den Anfang des heutigen nachhaltigen Denkens und Handelns dar. Heutzutage werden die Ressourcen der Erde im extremen Maße genutzt. Da sie nur begrenzt zur Verfügung stehen, setzt uns die Umwelt im Nachhaltigkeitskonzept ein Limit, das nicht überschritten werden kann: Die Grenzen des Wachstums werden erreicht, wenn seine Quellen - die Erde - ohne einen Gedanken an Menschen in anderen Teilen der Welt oder an zukünftige Generationen verbraucht werden.

Dementsprechend gilt „Nachhaltigkeit" seit über zwanzig Jahren als Leitbild für eine zukunftsfähige Entwicklung der Menschheit (engl. "sustainable development"). Notwendig wird ein Konzept der ökologisch verträglichen, sozial gerechten und wirtschaftlich leistungsfähigen Entwicklung, so wie es sich im Dreieck der Nachhaltigkeit  widerspiegelt. Diese kann nicht nur von Regierungen, Organisationen und großen Konzernen umgesetzt werden - jeder Einzelne ist aufgefordert, mit seinem Handeln aktiv und eigenverantwortlich die Zukunft mitzugestalten.

Hintergrund

Um die Ideen und Konzepte von Nachhaltigkeit effektiv umsetzen zu können, bedarf es nicht nur des lokalen Handelns, sondern auch der internationalen Zusammenarbeit. Bereits im Jahr 1992 einigte sich die internationale Staatengemeinschaft zum ersten Mal darauf, sich bei ihrem gemeinsamen Handeln am Leitbild der nachhaltigen Entwicklung zu orientieren. Ziel des Weltgipfels in Rio de Janeiro war die Suche nach Lösungen für die wachsende soziale Spaltung von Industrie- und Entwicklungsländern. Das Ergebnis war die "Agenda 21", ein Aktionsprogramm, das Empfehlungen für Staaten, aber auch für den Einzelnen enthielt.

Ein offizielles Ziel der Europäischen Union wurde die Förderung der Nachhaltigkeit im Amsterdamer Vertrag im Jahr 1999. Die dazugehörige Strategie und die Definition von Zielen und Maßnahmen wurden 2001 durch den Europäischen Rat in Göteborg verabschiedet. Ab dann galten als die wichtigsten Bereiche der Klimaschutz, der Verkehr, die Gesundheit und die natürlichen Ressourcen. Fortgesetzt wurde dieser Prozess auf dem Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung in Johannesburg im Jahr 2002. Die hier beschlossenen Umwelt- und Entwicklungsziele betreffen die Bereiche Erhalt der biologischen Vielfalt, Chemikaliensicherheit, Trinkwasserversorgung, Abwasserentsorgung und Maßnahmen zur Steigerung des weltweiten Anteils an erneuerbarer Energie. Hinzu kommen Maßnahmen zur Armutsbekämpfung und zur Sicherung einer besseren Schulbildung für Kinder auf der ganzen Welt.

In Deutschland sind Ziele für die nachhaltige Entwicklung auch diesseits der Ratifizierung internationaler Beschlüsse vereinbart worden. Die Enquete-Kommission "Schutz des Menschen und der Umwelt - Ziele und Rahmenbedingungen einer nachhaltig zukunftsverträglichen Entwicklung" des Deutschen Bundestages nannte im Jahr 1998 vier sogenannte ökologische Kernregeln:

  • „Regeneration" bedeutet, dass erneuerbare Naturgüter wie etwa Holz oder Fischbestände nur im Rahmen ihrer Regenerationsfähigkeit genutzt werden dürfen,
  • „Substitution" definiert, dass nicht-erneuerbare Naturgüter wie Energieträger und Materialien nur in dem Umfang genutzt werden dürfen, in dem ein gleichwertiger Ersatz geschaffen werden kann,
  • „Anpassungsfähigkeit" heißt, dass Schadstoffe und ähnliche Substanzen nur im Rahmen der Anpassungsfähigkeit der Ökosysteme freigesetzt werden dürfen, und die
  • „Vermeidung unvertretbarer Risiken" sieht vor, dass technische Großrisiken mit potentiell katastrophalen Auswirkungen auf die Umwelt zu vermeiden sind.

 

Bildung für nachhaltige Entwicklung / BNE

Die Bildung für nachhaltige Entwicklung will - gerade um jedem Einzelnen die Möglichkeit der Teilhabe zu geben - nicht nur Wissen vermitteln: Eine Orientierung an den derzeitigen Lebensstilen ist notwendig. Die Voraussetzung von Mitgestaltung sind Kompetenzen, die emotional und handlungsbezogen sind und das Individuum in die Lage versetzen,

  • weltoffen Wissen aufzubauen und dabei neue Perspektiven zu integrieren,
  • vorausschauend zu denken und zu handeln,
  • interdisziplinär Erkenntnisse zu gewinnen und zu handeln,
  • gemeinsam mit anderen zu planen und zu handeln,
  • an Entscheidungsprozessen zu partizipieren,
  • andere zu motivieren, selbst aktiv zu werden,
  • die eigenen Leitbilder und die anderer zu reflektieren,
  • selbständig zu planen und zu handeln,
  • Empathie und Solidarität für Benachteiligte zu zeigen,
  • sich selbst zu motivieren, aktiv zu werden.

Die Bildung für nachhaltige Entwicklung muss darüber hinaus alle Bereiche der Gesellschaft durchdringen. Dazu zählen nicht nur offensichtliche Aspekte wie der Klimawandel, der Umgang mit Ressourcen, der Schutz der Umwelt oder der Umgang mit Konsum. Auch Fragen des Umgangs miteinander, die inter- oder intragenerationelle Gerechtigkeit oder interkulturelle Kommunikation gehören dazu.

UN-Weltdekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung (2005 - 2014)"

Die notwendigen Maßnahmen für eine nachhaltige Entwicklung und Zukunftsgestaltung sind derzeit Gegenstand der UN-Weltdekade der Bildung für nachhaltige Entwicklung (2005 - 2014). Die Aktivitäten während der Dekade sollen die Aufmerksamkeit auf die erforderlichen Schritte lenken. Dabei müssen sowohl die soziale als auch die ökonomische und die ökologische Dimension der Bildung für nachhaltige Entwicklung, das sogenannte Dreieck der Nachhaltigkeit, berücksichtigt werden. Deshalb werden auf internationaler Ebene Projekte zu den verschiedenen Schwerpunkten von Nachhaltigkeit durchgeführt und vorgestellt, Akteure vernetzt und regionales Engagement gestärkt. In Deutschland werden die Aktionen von der Deutschen UNESCO-Kommission koordiniert.

„NRW denkt nach(haltig)" ist eines der offiziellen Weltdekade-Projekte 20010/2011. Das Ziel des Projekts ist die Entwicklung eines Internetportals, das an Informationen und Beteiligungsmöglichkeiten interessierten Personen und Gruppen den Einstieg in das Thema „Bildung für nachhaltige Entwicklung in NRW" ermöglicht und weiterführende Inhalte dazu bündelt und bereitstellt. Mit „NRW denkt nach(haltig)" trägt das Land Nordrhein-Westfalen dazu bei, die von den Vereinten Nationen ausgerufene Weltdekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung 2005 - 2014" umzusetzen.